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Widerstand gegen Bildungsabbau im Kollegi Stans

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Die Junge CVP Nidwalden wehrt sich mit einem offenen Brief gegen den Bildungsabbau im Kollegi Stans.

Sehr geehrte Damen und Herren

Mit Erstaunen haben wir am 30. Mai 2018 vom Entscheid der Bildungsdirektion auf Anraten des Mittelschulrates Kenntnis genommen. Unter dem Vorwand des Sparens, wird einmal mehr mit falschen Argumenten ein Abbau vorangetrieben.

Dies wiegt insofern schwerer, da das Kollegium St. Fidelis in Stans die einzige Mittelschule des Kantons Nidwalden ist, welche in interkantonalen Vergleich konkurrenzfähig zu sein hat. Der Zeitpunkt der geplanten Sparübung verblüfft umso mehr, als das nur wenige Tages später der Bildungsbericht des Bundes publiziert worden ist, welcher gegenteilige Argumentationen ins Feld führt. Der eigentliche Spareffekt der Reform ist laut dem Bildungsdirektor zudem vernachlässigbar, insbesondere weil der Kanton Nidwalden im schweizweiten Vergleich die tiefsten Bildungsausgaben pro Kopf aufweist.

Auf das Schuljahr 2019/20 sollen am Kollegi Stans die Schwerpunktfächer Latein und Wirtschaft und Recht sowie die Ergänzungsfächer Philosophie, Sport und Informatik nicht mehr angeboten werden. Dies hat die Bildungsdirektion aufbauend auf dem Bericht des Mittelschulrates entschieden. Ziel der Reform soll es sein, den suggerierten Schülerrückgang abzufedern und eine Optimierung bei der Auslastung von Schwerpunkt- und Ergänzungsfächern herbeizuführen. Die Autoren des Berichts rechneten mit einem Rückgang von rund 20% an Schülern. Diese Zahl steht entgegen der vom Bund prognostizierten generellen Zunahme der Schülerzahlen, welche seit 2017 wieder zu beobachten ist. Im Bezug auf das Kollegi Stans wurde die Talsohle an MaturandInnen 2013 bereits durchschritten.

Weiter prognostiziert der Bildungsbericht des Bundes eine Entschärfung der Mangelsituation in den Gesundheits- und Technikberufen (MINT). Dies steht in Widerspruch zur getroffenen Massnahme des Kantons Nidwalden, weil die Streichung des Schwerpunktfachs Wirtschaft und Recht zur Folge hat, dass viele SchülerInnen eher auf PAM (Physik und angewandte Mathematik) sowie Biochemie ausweichen werden. Dies lässt ein Blick auf die Wahlprioritäten (Zweitwahl) der SchülerInnen in diesem Jahr befürchten. Berücksichtigt man diese Zahlen als Prognose für die nächsten Schuljahre,  ist davon auszugehen, dass die Führung weiterer Zusatzklassen höhere Kosten nach sich ziehen wird. Mögliche betriebliche Probleme aufgrund des Laborangebotes und Personalbedarfs seien an dieser Stelle ausgeklammert.

Aber auch die Streichung des Faches Latein wiegt unseres Erachtens schwer. So wird weiterhin für sprachwissenschaftliche Studiengänge das Latinum vorausgesetzt; Latein ist aber auch eine gute Grundlage für diverse andere Studiengänge, so auch z.B. bei Rechtswissenschaften wo das römische Recht nach wie vor eine wichtige Bedeutung einnimmt. Latein mag zwar als tote Sprache gelten; sie ist aber Grundlage von allen romanischen Sprachen, und so wird das Erlernen von Italienisch oder Spanisch auf der Grundlage von Latein bedeutend erleichtert. Das Studium von Latein geht aber auch einher mit einer vertieften Auseinandersetzung unserer abendländischen sowie christlichen Kultur. Deren Kenntnis wird immer wichtiger, um in der heutigen komplexen globalisierten Welt mit Selbstbewusstsein auf die eigenen Wurzeln schauen zu können.

Mit einer Streichung von Latein würden die jungen Nidwalnderinnen und Nidwaldner einer wichtigen und bereichernden Wahlmöglichkeit beraubt. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass das Fach Latein nur als Schwerpunktfach gelehrt wurde, im Gegensatz zu Wirtschaft und Recht oder andern Fächern welche bereits schon als Grundlagenfächer für alle unterrichtet werden. Eine Studienwahl im sprachlichen Bereich wäre mit erheblichem Mehraufwand an der Universität verbunden. Somit wiegt der Verlust von Latein besonders schwer.

Die Streichung der Wahlmöglichkeiten steht zudem konträr zur Empfehlung der Konferenz der Gymnasialrektoren. Diese verabschiedete am 5. Juni an der Jahresversammlung eine Stellungnahme an den Bund, welche betont, dass der Fächerkatalog im 2. Teil des Gymnasiums zu öffnen gedenke um den Jugendlichen mehr Wahlmöglichkeiten bieten möchte. Dies mit dem Hintergedanken, dass MaturandInnen einen besseren Anschluss an die später eingeschlagene Studienrichtung erhalten. Als Beispiel diene, dass 26 % der UniversitätsstudentInnen im 2016 einen Studiengang der Fakultäten Wirtschaft oder Recht wählten. Die getroffene Reform des Kantons Nidwalden wirkt unter diesem Umstand mehr als unverständlich. Auch weil das Schwerpunktfach WiR eines der wenigen Fächer war, welches nie mit Bestandsproblemen zu kämpfen hatte. Wird zudem berücksichtigt, dass die Fächer Philosophie, Sport und Informatik nicht mehr vertieft geführt werden, so zeigt sich ein stark konträrer Effekt zur gewünschten Empfehlung der Rektorenkonferenz.

Leider wurde im Rahmen des Berichts und der Empfehlungen des Mittelschurates verfehlt, die getroffenen Massnahmen in Umfragen und / oder Gesprächen mit der Schüler- und Lehrerschaft zu erörtern. Dabei hätten unter anderem das Wahlverhalten der Schülerschaft ermittelt und seitens der Lehrerschaft strukturelle Optimierungsmöglichkeiten diskutiert werden können. Insbesondere im Rahmen der Diskussion über die Gruppengrössen fehlt jegliche Diskussion über die Führung von Jahresübergreifenden Gruppen, welche ein wirkliches Sparpotenzial dargestellt hätten.

Vor dem Hintergrund der geplanten Überarbeitung des Maturitätsanerkennungsreglement von 2007, welche gemäss der Konferenz der Gymnasialrektoren in den kommenden Jahren geschehen wird, sollte die Reform im Kanton Nidwalden zurückgestellt werden. Es ist absehbar, dass die vorliegende Reform alsbald rückgängig gemacht werden muss und damit unnötige Umstrukturierungen und Kosten entstehen. Der Wissens- und Erfahrungsverlust der abgeschafften Fächer und Fachrichtungen wiegt schwer, für den Kanton Nidwalden und die Schülerschaft, welcher der Übertritt in die unversitären Bildung erschwert oder gar genommen wird.  Das verlorene Know-how der einzelnen Fachbereiche, insbesondere Latein, kann nur wieder mittels langer und mühseliger Arbeit aufgebaut werden, zumal sich die betroffenen Lehrer sehr wahrscheinlich nach anderen Perspektiven umsehen werden.

Wir als Junge CVP Nidwalden plädieren für eine Aussetzung der Reform und einer Neuaufarbeitung mit dem Fokus auf die strukturellen Optimierungsmöglichkeiten. Somit könnte dem Vorwand der Einsparung von Steuergeldern wirklich Rechnung getragen werden.  Der Kanton Nidwalden darf nicht an Standortattraktivität im Bildungswesen verlieren, seiner Jugend und damit seiner Zukunft den Weg an die Universität verbauen. Dieser kostspielige Schnellschuss ist zu revidieren und die betroffenen Parteien sind in die Aufarbeitung miteinzubeziehen. Ebenfalls behalten wir uns weitere Schritte vor.

Freundliche Grüsse

Junge CVP Nidwalden

 
 

 

Mario Röthlisberger
Präsident
  Kevin Indelicato                 Thomas Locher
Vizepräsident                      Vorstandsmitglied

Kategorie: Bildung | Kommentar schreiben

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